In Kontakt bleiben und besser füreinander da sein - mit enna

Sich um die Eltern oder Großeltern zu kümmern und für sie da zu sein, ist für viele Menschen Alltag und wichtig. Familienmitglieder sind miteinander verbunden, oftmals auch über Hunderte Kilometer hinweg. Viele tauschen sich über gängige Nachrichtendienste aus und schicken News und Fotos per WhatsApp. Nachrichten sind oft auch der Weg, wie Familien die Pflege eines Angehörigen untereinander regeln. Wer meist außen vor bleibt, sind die älteren Familienmitglieder (also diejenigen, um die es meist geht), wenn sie kein Smartphone besitzen oder benutzen.

Hier setzt das Münchner Startup enna an und möchte das ändern. Das Team möchte mit ihrer App und Plattform die Familienmitglieder besser zusammenbringen und die Älteren teilhaben lassen - und so auch das Sorgen und Pflegen erleichtern. Im Interview erklärt Franziska Gebhardt, wie das funktioniert. Sie ist studierte Sozialwissenschaftlerin und ist Account Managerin bei enna.

Franziska, was ist das Besondere an enna? 

Das Besondere an enna ist das haptische Bedienkonzept durch die Karten. enna besteht aus einer Dockingstation und einem handelsüblichen Tablet, auf dem die enna App läuft. Die Bedienung erfolgt über die Karten, die auf das Dock gelegt werden und so den entsprechenden Befehl in der App auslösen. Besonders für Menschen, die wenig bis keine Erfahrung mit moderner Technologie haben, ist dies eine enorme Erleichterung. Wenn die Person beispielsweise mit der Tochter oder Enkelin einen Videocall machen möchten, legt sie einfach die entsprechende Anrufkarte auf das Dock und ist direkt verbunden.

Videocalls sind ja mit jedem Tablet möglich. Was macht enna anders? 

Viele ältere Menschen haben Schwierigkeiten mit digitalen Medien. Zum einen ist da eine haptische Herausforderung und es fällt schwer, die Geräte zu bedienen, weil sie eben nicht so intuitiv und simpel sind, wie sie vorgeben zu sein. Zum anderen haben viele Menschen, die digital nicht erfahren sind, große Skepsis. Manche haben Angst, etwas kaputt zu machen oder sie verlieren den Überblick, weil da immer wieder Werbungen und Angebote auftauchen und das verunsichert.

Und was ist eure Lösung? 

Im Endeffekt ist enna wie die Toniebox für Oma und Opa. Unser Angebot setzt niedrigschwellig an. Die enna App bietet eine Nutzeroberfläche, die sehr klar und übersichtlich ist. Sie ist frei von Werbung. Die Benutzung funktioniert über einzelne Karten. Es gibt beispielsweise eine Karte zum Telefonieren mit der Tochter, eine zum Telefonieren mit dem Sohn, eine andere für die Ergotherapeutin und so weiter. enna bietet somit auch Sicherheit beim Benutzen, weil es ein geschützter Bereich ist. Aber Videocalls sind nur eine Möglichkeit, wie sich enna nutzen lässt. Die Karten lassen sich vielfältig einsetzen und konfigurieren. So kann man zum Beispiel auch Fotoalben anlegen, einen gemeinsamen Kalender pflegen oder sich die Lieblingssendungen anschauen. Die jeweiligen Karten können von den Angehörigen über die enna App auf dem Smartphone individuell erstellt und bearbeitet werden.

Was ist denn deine persönliche Lieblingskarte bei enna?

Es gibt viele verschiedene tolle Karten. Die Fotokarte ist meine Lieblingskarte, weil ich mir so etwas für unsere WhatsApp-Familiengruppe wünsche. Damit kann man digital Fotoalben erstellen. Meine Oma kann sich die Bilder so in Ruhe und immer wieder anschauen, aber unsere Kommunikation in der Gruppe bleibt frei davon. Man kann immer wieder aktuelle Bilder hochladen und so die älteren Familienangehörigen am Alltag teilhaben lassen. Das war ja auch der Ursprung, wie mit enna alles begann.

Wie entstand denn enna? 

Die Oma unseres Gründers Jakob beschwerte sich, weil sie sich von den Erlebnissen ihrer Angehörigen ausgeschlossen fühlte. In der Familiengruppe wurden Fotos ausgetauscht und Nachrichten geschickt, aber Oma Lilo wusste von all dem nichts, weil sie kein Smartphone hatte. Sie wollte gerne teilhaben und fragte Jakob, der Elektrotechnik studiert hatte, ob er ihr da nicht etwas bauen könnte. Jakob bastelte für sie in seiner Freizeit einen Prototypen: ein Mini-PC in einer einfachen Pappschachtel, der über einen Bildschirm mit einem Postfach verbunden war, so dass jeder in der Familie der Oma Nachrichten und Fotos schicken konnte. Sie war begeistert und etliche von Jakobs Freunden wollte auch so etwas für ihre Familien. Jakob merkte, dass da ein Bedarf da ist. Er tat sich mit zwei Freunden - Tim und Moritz - zusammen und sie gründeten das Startup.

Ist enna auch eine Unterstützung für pflegende Angehörige und wie? 

Ja, absolut. Ich sehe da vor allem eine große Unterstützung dadurch, dass man einen gemeinsamen Kalender führen kann - und zwar so, dass jeder und auch die pflegebedürftige Person teilhaben kann. Eine der größten Herausforderungen beim Kümmern und Pflegen ist ja, dass die Aufgabenlast oft auf einer Person liegt. Unser Kalender hilft, diese Aufgaben besser aufzuteilen. Denn jeder hat einen Zugriff und sieht, was ansteht. Über die Nachrichten kann man sich rasch austauschen und die Infos an einem Ort sammeln. Der zweite große Vorteil: die Menschen, um die es geht, werden mit einbezogen. Ich komme aus der sozialen Arbeit und erlebe oft, dass da viel um die hilfebedürftige Person organisiert wird, aber sie selbst nicht Bescheid weiß.

Und mit enna geht das? 

Ja, denn die Kalenderfunktion ist simpel nutzbar. Die Nutzerin oder der Nutzer legt die Karte auf und sieht, was an welchen Tagen ansteht, ob das nun Arzttermine oder der Frisör ist. enna ist eine Familien-App, die wirklich alle zusammenbringt und da ist es wichtig, dass die betroffene Person teilhaben kann. Wir haben durch Gespräche mit den Nutzenden herausgefunden, dass viele Familien durch Oma oder Opa, die kein Smartphone mehr benutzt, wieder zueinander finden - und wir wollen Oma und Opa mit einbinden.

Welche Rückmeldungen bekommt ihr von den Nutzenden? 

Wir merken, dass unsere User vor allem teilhaben wollen. Das tun sie über die Nachrichten. Sie bekommen Fotos oder Text- oder Sprachnachrichten geschickt und sind so im Bilde. Die meisten wohnen zu Hause, kommen alleine noch ganz gut zurecht, aber wünschen sich weiterhin mit der Familie im Kontakt zu bleiben. Unsere Zahlen zeigen, dass das gut aufgeht. Denn auf jeden Nutzer kommen im Schnitt fünf Angehörige. Wir bekommen von vielen Nutzenden die Rückmeldung, dass die Kalenderfunktion eine große Erleichterung ist, weil Aufgaben besser aufgeteilt werden können und nicht mehr eine Person alleine verantwortlich ist..

Was kostet enna und wie kommt man daran? 

Wir bieten die Docking-Station und das zugehörige Tablet sowie die App im Bundle über https://enna.care/ an. Das kostet 27,90 Euro pro Monat und lässt sich monatlich kündigen. Jeder in der Familie kann die App dann gratis laden und nutzen. Gegen einen Aufpreis von 7 Euro pro Monat gibt es unbegrenztes Datenvolumen, wenn die Oma beispielsweise kein WLAN hat. Die Karten werden individuell gestaltet, aber lassen sich mit immer neuen Inhalten bespielen. Man kann die Nutzung einfach mal ausprobieren und das rate ich auch. Denn gerade, wenn Menschen nicht so digital erfahren sind, müssen sie das einfach mal testen und vielleicht auch ein wenig üben. Deshalb bieten wir einen 30-tägige kostenlose Probephase.

Was erwartet die Nutzenden künftig bei enna? 

Wir freuen uns, bald die enna Welt zu launchen - eine Plattform mit wertvollen Informationen und Tipps zum Älterwerden und zur Pflege. Die enna Welt bietet praktische Services wie Essen auf Rädern und hilfreiche Pflegehinweise, die den Alltag erleichtern. Unsere neue Plattform ist darauf ausgelegt, das Leben im Alter einfacher und angenehmer zu gestalten und eine vertrauenswürdige Anlaufstelle für Senioren und ihre Angehörigen zu sein.

Was plant ihr noch?

Auch die Funktion für Videocalls mit Ärzten und Ärztinnen ist uns ein großes Anliegen. Das ist allerdings durch diverse Vorgaben noch reglementiert. Aber wir sehen, dass es für Familien eine wichtige Unterstützung wäre, wenn die Person oder Angehörige auch mal mit dem Arzt per Video Kontakt aufnehmen könnten. Außerdem möchten wir perspektivisch Künstliche Intelligenz bei enna einsetzen, diese testen wir aktuell schon. Die intelligente Assistenz soll den Alltag weiter erleichtern und eine noch effektivere Unterstützung ermöglichen.

Was ist euer Ziel? 

Unser Ziel ist es, einen echten Mehrwert für Familien zu bieten, damit ihnen das füreinander da sein und sorgen besser gelingt. Wir engagieren uns dazu auch im Verband Care for Innovation, um digitale Angebote rund um Pflege in Deutschland voranzubringen.

Interview: Peggy Elfmann


Quellen:

Interview mit Franziska Gebhardt https://enna.care/

 

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