Wiedereinstieg - Vereinbarkeit beginnt am Küchentisch

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Von Nicole Beste-Fopma

 

Mütter* sind so vieles. Sie sind erste Bezugsperson für ihre Kinder, Seelentrösterin, Krankenschwester, Lehrerin für nahezu alle Schulfächer, Köchin, Haushälterin, Einkäuferin, Putzfrau, Wäscherin. Darüber hinaus sind die meisten noch Ehefrau, Freundin, Tochter, Schwester. Aber selbst dann ist die Liste noch nicht komplett. Denn es gibt kaum einen vielseitigeren Beruf als den der Mutter. Steigt man als Mutter dann wieder in eine Erwerbstätigkeit ein, kommen noch weitere Rollen dazu: Kollegin, Mitarbeiterin, eventuell Führungskraft und und und. Um all das in einer Person zu vereinbaren bedarf es nicht nur einer optimalen Organisation. Es bedarf auch einer realistischen Einschätzung dessen, was man selbst leisten kann und will und dessen, was der Partner oder die Partnerin leisten kann und will.

 

Nur wenige Paare machen sich schon bevor der Nachwuchs auf der Welt ist, Gedanken, wie die Arbeitsteilung aussehen wird, wenn zukünftig beide sowohl Familie als auch Beruf leben wollen. Statt sich an den Küchentisch zu setzen und in die Verhandlung zu treten, wer welche Aufgabe im Haushalt oder die Betreuung übernimmt, wird über die Dekoration des Kinderzimmers diskutiert. Auch beliebt: Sämtliche Babyausstatter in der näheren und ferneren Umgebung abklappern, um den besten Kinderwagen zu finden. Alles keine unwichtigen Themen, aber für einen möglichst reibungslosen Spagat zwischen Beruf und Familie ist es elementar, sich darüber einig zu sein, wie das Familienleben in Zukunft aussehen soll.

 

Vollzeit? Reduzierte Vollzeit oder Teilzeit?

Haben Sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht, wie viele Stunden Sie zukünftig arbeiten wollen? Sollen es nur wenige Stunden pro Woche sein? Oder lieber reduzierter Vollzeit – also zirka 32 Stunden pro Woche. Wollen Sie ganze Tage arbeiten und dafür an anderen frei haben? Oder schwebt Ihnen ein Halbtagsjob vor, an dem Sie wieder Zuhause sind, wenn die Kinder aus der Kita oder Schule kommen?

 

Karriere? Jetzt oder später?

Wie viele Stunden Sie arbeiten wollen hat auch viel damit zu tun, wie wichtig Ihnen Ihr Beruf beziehungsweise Ihre Karriere ist. Wollen Sie mit Kindern durchstarten und streben Sie eine Führungsposition an? Dann werden Sie in aller Regel mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten müssen. Ist der Job eher Mittel zum Zweck oder wollen Sie erst dann durchstarten, wenn der Nachwuchs aus dem gröbsten raus ist, können es auch 20 oder weniger Stunden sein. Gut zu wissen: Sollten Sie sich irgendwann einmal dazu entscheiden, den Arbeitgeber zu wechseln, müssen weder Sie noch der Arbeitgeber angeben, dass Sie in Teilzeit gearbeitet haben. Noch immer ist das Image der „Teilzeit“ in den meisten Unternehmen nicht unbedingt eines, das mit Karriere einher geht.

 

Kita? Oma? Oder doch Au-Pair?

Wissen Sie schon, wie Sie Ihre Kinder betreut haben wollen? Haben Sie eine Kita in der näheren Umgebung, die Ihren Ansprüchen entspricht? Oder arbeiten Sie lieber mit einer Tagesmutter oder gar einem Au-Pair? Wie sieht es mit der Betreuung Ihrer Kinder aus, die schon in die Schule gehen. Bietet die Schule einen Hortbetreuung oder kann Ihr Kind vielleicht sogar eine Ganztagsschule besuchen? Wohnen Ihre Eltern oder Schwiegereltern in der Nähe, möchten diese bei der Betreuung unterstützen und – ganz wichtig – können auch Sie sich das vorstellen?

 

Notfallbetreuung

Auch nicht zu unterschätzen: Der Notfall. Solange der Nachwuchs noch klein ist, sind sie schon oft genug krank. Kommen sie aber erst mal in die Kita oder die Schule, sind sie, gefühlt, 365 Tage im Jahr malad. Zwar stehen Eltern Krankentage für die Betreuung ihrer Kinder gesetzlich zu, aber nicht immer reichen diese Tage aus. Hinzu kommt, dass Murphys Law meist dafür sorgt, dass die Kids genau dann krank sind, wenn es auch im Job gerade brennt. Bauen Sie sich also am besten zwei bis drei Notfallbetreuungsnetze auf. Das kann die Nachbarin oder der Nachbar sein, die/der bei den Kindern zuhause ist oder schon in Rente. Die Kollegin oder der Kollege mit Kindern im gleichen Alter, die Eltern der Kita- bzw. Schulkameraden, eine Studentin oder ein Student, die auch mal abends zum Babysitten da sind. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Professionelle Dienstleister wie famPLUS unterstützen hier gerne.

 

Die Antworten auf all diese Fragen können nur Sie sich geben. Am Besten ist es, wenn Sie zunächst die Fragen für sich selbst beantworten. Das gleiche gilt für Ihren Partner. Wenn Sie beide wissen, wie Sie sich die Zukunft als berufstätige Eltern vorstellen, können Sie in die Verhandlungen miteinander gehen.

 

Wie andere Paare das machen. Wie Sie mit dem ausgefeilten Plan und weiterer Recherchen jetzt auch noch den passenden Arbeitgeber zu Ihrem Modell finden, zeige ich in meinem Buch „Beruf + Familie. Passt!“ So finden Eltern den richtigen Arbeitgeber – erschienen im Campus Verlag.

 

 

*In diesem Beitrag wird die weibliche Form verwendet. Selbstverständlich sind aber auch alle (werdenden) Väter gemeint und angesprochen.


Erscheinungsdatum: 16.04.2018