Tagespflege in Deutschland – ein „Blitzlicht“ in die aktuelle Situation

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Viele Eltern haben keine Vorstellung, was sich hinter dem Begriff „Tagespflege“ verbirgt. Nur wenige wissen, dass mit dem bürokratisch klingenden „Kindertagespflegepersonen“ einfach Tagesmütter und –väter gemeint sind. Was hinter der verantwortungsvollen Tätigkeit steckt, ist vielen Eltern nicht bewusst. 

Daher haben Absolventen des berufsbegleitenden MBA-Studiums der Universität Mannheim eine Umfrage unter 300 Kindertagespflegepersonen durchgeführt. Die Ergebnisse sind zwar nicht zwingend repräsentativ,  geben aber einen guten Einblick in die aktuelle Situation von Tagesmüttern und –vätern in Deutschland.

Qualifikation und Erfahrung

83 Prozent der befragten Tagespflegepersonen haben eine Ausbildung absolviert, davon wiederum 40 Prozent im sozialen Umfeld: Pflege/Medizin (16,6, Prozent), Erzieher/in (11,9 Prozent), (Sozial-)Pädagogen/innen (7,1 Prozent), Lehrer/in (2,4 Prozent) und Ernährungswissenschaftler/in (2,0 Prozent). 

Über 80 Prozent haben Zertifizierungskurse absolviert, etwa drei Viertel können ein Zertifikat des BVKTP vorweisen. Dieser hohe Qualifizierungsanteil entspricht sicher den Wünschen und Anforderungen der Eltern. Leider ist die Berufserfahrung meist nicht sehr hoch – was sicher auch daran liegen mag, dass der Bedarf an Tagespflege erst in den letzten Jahren steil angestiegen ist und es viele „Berufsanfänger“ gibt. 42,9 Prozent der Befragten über diesen Beruf erst maximal drei Jahre aus, nur etwa ein Siebtel (14,3 Prozent) sind schon länger als Jahre als Tagesmutter oder –vater tätig. Betreut werden meist zwischen drei und fünf Kinder (41, 3 Prozent).

Tagespflege als Beruf?!

Die Befragten sind nahezu hälftig haupt- oder nebenberuflich in der Kindertagespflege tätig. Konkret heißt dies: 18,2 Prozent arbeiten zwischen 10 und 15 Wochenstunden und ca. 14,4 Prozent arbeiten über 45 Stunden pro Woche. Dies spiegelt auch der Überblick auf das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen der Tagespflegepersonen: Mehr als die Hälfte verdient weniger als 400 Euro. 17,3 Prozent verdienen zwischen 400 und 600 Euro, bis 800 Euro sind es weitere 13,9 Prozent, bis 1000 Euro 9,7 Prozent. Lediglich 6,3 Prozent verdienen zwischen 1000 und 1500 Euro und nur 2,2 Prozent haben ein monatliches Nettoeinkommen von bis zu 2000 Euro.

Um zu erfahren, wie stabil sich der Berufszweig entwickeln könnte, wurde in der Umfrage nach der Bereitschaft zu einem erweiterten Leistungsportfolio gefragt. Voraussetzung war neben einem Bruttoeinkommen von 2.400 Euro auch die Unterstützung in steuerlichen, rechtlichen und organisatorischen Angelegenheiten sowie bei der Weiterbildung. Das Ergebnis ist deutlich: 93,7 Prozent könnten sich eine langfristige Tätigkeit als Tagesmutter/-vater vorstellen. Dazu passt, dass zwei Drittel auch bereit wären, mindestens 40 Stunden in der Woche zu arbeiten. Die Leistungsbereitschaft ist ebenfalls hoch: 96,2 Prozent würden an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen, 92,8 Prozent würden externen Qualitätskontrollen zustimmen. 

Fazit der Umfrage

Die umfassende Ausbildung ist für Tagespflegepersonen zentral. Die Kompetenzen müssen analog zu den steigenden Anforderungen kontinuierlich weiterentwickelt werden – gerade auch bei Quereinsteigern. Tagesmütter/väter wünschen sich neben einer stärkeren Akzeptanz in der Gesellschaft insgesamt eine geregelte Berufsausbildung, die ein geregeltes Einkommen einschließt.

Die (nicht-repräsentative) Umfrage und Auswertung ist eine Kooperationsleistung von Marcos Garcia, Hokyoung Han, Srita Heide, Dr. Patrick Lechner, Dr. Mihai Socina, Executive MBA, Mannheim & Essec, 2010.

Erschienen sind die Ergebnisse in der Zeitschrift „ZeT“, Ausgabe 1/2011, herausgegeben vom Friedrich Verlag (Velber) in Zusammenarbeit mit Klett und in Verbindung mit dem Bundesverband für Kindertagespflege e.V., www.bvktp.de

 

Bild: (c) Uschi Hering - fotolia.com


Erscheinungsdatum: 13.06.2011