Senioren-Assistentinnen – „Ziemlich beste Freundinnen“

Plöner Modell
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Senioren Assistenz Plöner Modell

 

 

 

 

 

 

Seit Kurzem sind sowohl die Bundesvereinigung der Senioren-Assistenten Deutschland (BdSAD) e.V. als auch das Unternehmen Büchmann/Seminare KG Kooperationspartner von famPLUS.

Büchmann/Seminare bildet Senioren-Assistenten aus und betreibt die Vermittlungsplattform „Die Senioren-Assistenten“. Thomas Bartel, Senioren-Assistent und Pressesprecher der BdSAD, hat uns Einblicke in das Tätigkeitsfeld eines Senioren-Assistenten gegeben und erklärt, wer eine solche Dienstleistung in Anspruch nehmen kann, was das kostet und wie famPLUS unterstützt. 

 

Herr Bartel, das Unternehmen Büchmann/Seminare KG bildet Senioren-Assistenten aus? Das ist ein ganz neues Berufsbild. Was genau verbirgt sich hinter dieser Berufsbezeichnung?

Der Gesetzgeber nennt die Tätigkeit "Angebote zur Unterstützung im Alltag". Ziemlich sperrig. Aber die alte Bezeichnung „niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote“ war noch unglücklicher. Ich persönlich finde die Bezeichnung "ziemlich beste Freundinnen", wie sie die Süddeutsche Zeitung kürzlich für Senioren-Assistenten benutzt hat, am zutreffendsten. Senioren-Assistenten widmen älteren Menschen Zeit und Zuwendung. Sie sorgen auf professioneller Basis für geistige und körperliche Aktivierung und damit für die so wichtige soziale Teilhabe älterer Menschen am Leben. Sie helfen beim Arztbesuch, bei Anträgen und vielen anderen Herausforderungen des täglichen Lebens. Aber sie gehen auch mit den Senioren spazieren oder zum Konzert.

Senioren-Assistenten verstehen sich als notwendige und bereichernde Ergänzung zu Pflege und Haushaltsdiensten. Viele Senioren-Assistenten verfügen aber auch über Zusatzqualifizierungen, um sich beispielsweise Menschen mit Demenzerkrankungen zu widmen.

Das hört sich nach einer sehr individuellen Betreuung an. Ist dem auch so?

Ja, die Senioren bzw. ihre pflegenden Angehörigen bestimmen den jeweiligen Einsatz ganz eigenständig und individuell. Der generelle Rahmen wird in aller Regel bei einem Erstgespräch festgelegt. Aber da das tägliche Leben bekanntlich jeden Tag neue Anforderungen bringt, sind die Senioren-Assistenten jederzeit flexibel. Die Lebensqualität der Senioren steht immer im Vordergrund.

Bartel

Wo geraten Senioren-Assistenten an ihre Grenzen?

Da sind zum einen die gesetzlichen Grenzen: Senioren-Assistenten sind nicht befugt, pflegerische, medizinische oder fachtherapeutische Aufgaben zu übernehmen. Auch können sie als Einzelperson keine 24-Stunden-Betreuung leisten. Zum anderen sind da aber auch die ganz persönlichen physischen und psychischen Leistungsgrenzen. Diese werden im Vorwege klar und offen erörtert.

An wen können sich die Senioren oder auch Angehörigen wenden, wenn es zu zwischenmenschlichen Konflikten kommt? Wenn ich es richtig verstanden habe, sind alle Senioren-Assistenten Freiberufler.

Die BdSAD hat als berufsständische Organisation ein professionelles Beschwerdemanagement. Auf unserer Webseite – www.bdsad.de – kann das Kontaktformular genutzt werden für den Fall, dass Unstimmigkeiten oder Konflikte nicht zwischen den unmittelbar Beteiligten gelöst werden können. Sobald wir die Information über einen Konflikt haben, kümmert sich die zuständige Mitarbeiterin der Bundesvereinigung um eine Lösung.

Können alle Senioren die Dienstleistungen von Senioren-Assistenten in Anspruch nehmen?

Die Grundidee ist es, ältere Menschen frühzeitig zu unterstützen, sie zu begleiten und zu aktivieren. Die Pflegebedürftigkeit soll so gar nicht erst eintreten bzw. so lange wie möglich hinausgezögert werden. Wir wollen ein langes selbständiges und selbstbestimmtes Leben in der privaten häuslichen Umgebung ermöglichen. Somit sind unsere Zielgruppe Senioren, die auf sich allein gestellt sind, z. B. weil der Partner verstorben oder Familienangehörige nicht ortsansässig, beruflich verhindert oder vielleicht gar nicht existent sind.

Tatsächlich aber treten wir überwiegend in einer vorhandenen Pflegesituation ergänzend hinzu, um pflegende Angehörige zu entlasten. Besonders häufig ist das bei Demenzkranken der Fall.

Gibt es Senioren-Assistenten bereits überall in Deutschland?

Vereinzelt gibt es noch Regionen, in denen es noch keinen Anbieter aus unseren Reihen gibt. Doch es kommen Jahr für Jahr viele neu qualifizierte Kolleginnen und Kollegen hinzu. Auf unserem Vermittlungsportal www.die-senioren-assistenten.de können Sie gezielt nach Postleitzahl oder Ortsnamen suchen. Die Mehrzahl der hier registrierten Senioren-Assistenten ist in der Bundesvereinigung der Senioren-Assistenten Deutschland e.V. organisiert. Ihre Mitglieder verpflichten sich zu besonderen Qualitätskriterien und ethischen Standards und sind mit „M“ gekennzeichnet.

Mit welchen Kosten muss man rechnen?

Die Preisgestaltung ist grundsätzlich frei. Ambulante Pflegedienste, die vergleichbare Leistungen über die Pflegekassen abrechnen, veranschlagen zwischen 25 und 30 Euro pro Stunde. Mit diesen Sätzen kalkulieren auch qualifizierte Senioren-Assistenten. Privat wird in Großstädten zum Teil mehr, in ländlichen Bereichen weniger veranschlagt. Es hängt aber auch davon ab, ob besondere Zusatzqualifikationen, zum Beispiel Erfahrung mit Demenz, gefragt sind.

Entstehen auch Vermittlungskosten?

Nein. Auch dann nicht, wenn eine Senioren-Assistenz über unser Vermittlungsportal gefunden wird.

Kommt die Pflegekasse für die Kosten auf?

Teilweise ja. Die Länder Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein ermöglichen ab Pflegegrad 1 für die Angebote zur Unterstützung im Alltag nach § 45a SGB XI die Abrechnung von zugelassenen Senioren-Assistenten über die Pflegekassen. Darüber hinaus können Senioren-Assistenten ihre Leistung ab Pflegegrad 2 überall in Deutschland über die Verhinderungspflege oder nicht in Anspruch genommene Kurzzeitpflege abrechnen. Dazu sind die jeweils persönlichen und individuellen Voraussetzungen zu prüfen, aber oftmals kann das im ersten unverbindlichen Erstgespräch eindeutig geklärt werden.

Seit einiger Zeit sind die Senioren-Assistenten Kooperationspartner von famPLUS. Heißt das, dass Angestellte der famPLUS-Vertragspartner die Dienste der Senioren-Assistenten in Anspruch nehmen können? Läuft die Vermittlung über famPLUS oder muss man sich die passende Senioren-Assistenz über ihre Webseite https://www.die-senioren-assistenten.de suchen?

Jeder kann jederzeit Kontakt zu Senioren-Assistenten vor Ort aufnehmen. Die Senioren-Assistenz ist jedoch noch immer ein „Geheimtipp“. Die gängige Suche nach Unterstützung erfolgt meist über den Begriff „Pflege“ oder „Pflegedienst“, auch wenn es eigentlich um Alltagsbegleitung und Betreuung geht. Durch unsere Kooperation werden die Angestellten von famPLUS-Vertragspartnern dabei unterstützt, gezielter nach der Dienstleistung zu suchen, die ihren Bedürfnissen entspricht. Angefangen bei beispielsweise Begleitung ins Konzert über die Unterstützung im Alltag bis hin zum Pflegedienst.

Übernimmt der Arbeitgeber dann die Kosten, sollten diese nicht von der Pflegekasse übernommen werden?

Die Kosten für die Senioren Assistenten müssen von den Pflegebedürftigen beziehungsweise den Angehörigen getragen werden.

Wie unterstützt famPLUS?

Das Thema Pflege ist sehr komplex. Als Experten auf dem Gebiet der Pflege, unterstützt famPLUS die Angehörigen bei der Suche nach der passenden Finanzierung und ist behilflich bei der Antragstellung von Leistungen.  famPLUS ist der Lotse, der den Angehörigen den Weg durch den Pflegedschungel aufzeigt.

Die Leistungen der famPLUS Pflegeberatung übernimmt der Arbeitgeber für seine Mitarbeiter.

Noch eine Frage zum Schluss: Ute Büchmann hat das Plöner Modell entwickelt. Was macht dieses Modell aus?

Das kann man am besten historisch erklären. Ute Büchmann war bis 2006 Frauenbeauftragte bei einer Kommune und hat nicht nur das Plöner Modell entwickelt, sondern steht auch Pate für den Begriff "Senioren-Assistenz". Damit sollte eine gleichberechtigte Partnerschaft zwischen den Helfenden und den Älteren signalisiert werden. Die ratsuchende Klientel bei der Gleichstellungsbeauftragten Büchmann bestand hauptsächlich aus Frauen, die beruflich neu einsteigen oder umsteigen wollten.

Meist sollte es eine sozial ausgerichtete Tätigkeit sein. Der Umstieg oder Neueinstieg sollte wegen bereits vorhandener und zum Teil recht umfangreicher Vorbildung ohne umfangreichen zusätzlichen Ausbildungsaufwand geschehen. Auch sollte wegen häufig auftretender eigener familiärer Verpflichtungen zunächst die Stundenzahl für die Dienstleistung überschaubar und variabel einsetzbar sein. So bot sich die Vorbereitung auf eine selbständige Tätigkeit an. Es entstand für die Unterrichtsinhalte ein Mix aus Fachthemen, aus Persönlichkeitsbildung und aus der Vorbereitung für eine selbständige Unternehmerschaft.

Da es für viele eine neue Erlebniswelt mit völlig neuen Anforderungen bedeutete, beinhaltete das Plöner Modell von Anfang an eine Nachbetreuung in Form eines Netzwerkes mit regelmäßigen Treffen der Senioren-Assistenten zum Erfahrungsaustausch, zu denen stets 50 bis 60 Teilnehmer aus ganz Deutschland zusammenkommen. Schließlich steht allen Senioren-Assistenten unentgeltlich ein Vermittlungsportal zur Verfügung, das auch für Hilfesuchende kosten- und zugangsfrei ist. Also, das Plöner Modell besteht aus der eigentlichen Ausbildung, der Nachbetreuung sowie dem Vermittlungsportal. Laufende fachliche Fortbildungen verstehen sich von selbst.

Nicole Beste Fopma im Gespräch mit Herrn Thomas Bartel,  Senioren-Assistent und Pressesprecher der BdSAD