Schwanger im Job – was ändert sich?

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(jg) Schwanger sein, das ist eigentlich eine sehr private Angelegenheit. Eigentlich − denn ein Kind zu erwarten, hat auch Auswirkungen auf Ihre berufliche Tätigkeit. Eine der ersten Fragen, die sich schwangere Frauen stellen: Wann sag ich es meinem Arbeitgeber

Grundsätzlich gilt: Als Angestellte oder Auszubildende fallen Sie vom ersten Tag der Schwangerschaft unter den besonderen Schutz des Mutterschutzgesetzes, das strenge Schutzvorschriften enthält. Daher sollten Sie Ihren Arbeitgeber möglichst bald darüber informieren, dass Sie schwanger sind. Paragraf 5 des Mutterschutzgesetzes ist aber bewusst als „Sollvorschrift“ gestaltet, die es Schwangeren erlaubt, selbst zu entscheiden, wann sie die frohe Botschaft verkünden.

Es kann zum Beispiel geschickt sein, die Mitteilung noch ein wenig hinauszuzögern, wenn Sie wissen, dass Ihr Chef werdende Mütter gern von Fortbildungen ausschließt oder wenn Sie unbedingt noch das neue Projekt bekommen wollen. Auf der anderen Seite könnte Ihnen eine verzögerte Mitteilung kurz nach einer Beförderung schnell als Heimtücke ausgelegt werden, und das kann einen schweren Bruch im Vertrauensverhältnis nach sich ziehen. Ist absehbar, dass Sie von den strengen Schutzvorschriften des Mutterschutzgesetzes nicht betroffen sein werden, also einen klassischen Büro-Jobs ausüben, warten Sie am besten bis nach der 12. Schwangerschaftswoche ab, wenn das Risiko einer Fehlgeburt stark absinkt. Die Kosten für das Attest, das Ihnen der Frauenarzt für die Mitteilung ausstellt, übernimmt übrigens Ihr Arbeitgeber!

Wie sag ich’s meinem Chef?

Egal, für welchen Zeitpunkt Sie sich entscheiden: Bevor Ihr Bauch nicht mehr zu übersehen ist, sollten Sie das Gespräch mit Ihrem Chef suchen – solche Neuigkeiten sind nichts für den Büroklatsch und sollten auch nicht zwischen Tür und Angel verkündet werden. Es lohnt sich, gut vorbereitet zu dem Termin mit Ihrem Vorgesetzen zu gehen: Neben der Mitteilung Ihrer Schwangerschaft können Sie bereits darüber nachdenken, wie weit Sie an Ihrem jetzigen Arbeitsplatz noch einsetzbar sind, welche Änderungen am Einsatzort oder an den Zeiten für Sie nötig werden – und auch Ihre Pläne für die Zeit nach der Entbindung sollten Sie so früh wie möglich kommunizieren (auch wenn Ihre Aussagen jetzt noch nicht verbindlich sind). Mit konkreten Ideen, wie Sie Ihre Aufgaben in Zukunft aufteilen wollen, zeigen Sie, dass Ihnen die Firma wichtig ist und Sie Ihre Karriere nicht bereits abgeschrieben haben. Es ist außerdem gut, wenn Sie Ihre Rechte kennen und Ihre Interessen selbstbewusst vertreten können; ein Blick ins Mutterschutzgesetz ist dafür hilfreich. 

Erst der Chef – dann die Kollegen

Auch wenn Ihr Vorgesetzter Ihre Mitteilung absolut vertraulich behandeln muss, ist ein ehrlicher und offener Umgang mit Ihren Kollegen empfehlenswert: Schließlich werden die Ihre schwangerschaftsbedingten Fehlzeiten, eventuelle Leistungsabfälle und Ihre berufliche Auszeit abfangen müssen. Stimmungsschwankungen, Müdigkeit und Übelkeit belasten jedes Team; es ist gut, wenn Ihre Kollegen dem mit Verständnis begegnen können. Getuschel und schrägen Blicken beugt man am besten durch eine offene Kommunikation vor. 

Ihre Rechte am Arbeitsplatz

Das Mutterschutzgesetz räumt schwangeren Erwerbstätigen viele Sonderrechte ein. Ob Sie befristet oder unbefristet, in Vollzeit oder Teilzeit, als Auszubildende, Hausangestellte oder Heimarbeiterin, als Arbeiterin oder Angestellte arbeiten, das Mutterschutzgesetz gilt für fast alle Schwangeren – mit Ausnahme von Studentinnen, Freiberuflerinnen und Selbständigen.

Sobald Ihr Vorgesetzter von der Schwangerschaft erfährt, muss er das dem Gewerbeaufsichtsamt melden. Von nun an gelten für Sie strenge Arbeitsschutzvorschriften und Sie genießen einen besonderen Kündigungsschutz. Auch Ihre Arbeitszeit ist nun beschränkt: Sie dürfen höchstens 8,5 Stunden täglich oder 90 Stunden in der Doppelwoche arbeiten. Bestimmte Tätigkeiten, zum Beispiel der Umgang mit gesundheitsgefährdenden Stoffen oder Akkordarbeit, dürfen Schwangere gar nicht ausüben. Hierfür gilt ein generelles Beschäftigungsverbot. Ihr Arbeitgeber kann Sie dann auf einen geeigneteren Arbeitsplatz versetzen – oder Sie werden freigestellt. In dieser Zeit beziehen Sie weiterhin Ihr normales Gehalt. Dies gilt auch, wenn Sie eine Risikoschwangerschaft haben und zum Beispiel liegen müssen: Bestehen Sie in solchen Fällen auf ein individuelles Beschäftigungsverbot, das Ihr Arzt Ihnen formlos attestieren muss.

Achtung: Lassen Sie sich nicht überreden, sich krankschreiben zu lassen! Ganz abgesehen davon, dass es gesetzwidrig wäre, erhalten Sie nach sechs Wochen Gehaltsfortzahlung nämlich nur noch das Krankengeld Ihrer Krankenkasse, und das sind nur etwa 70 Prozent Ihres Durchschnittsgehalts.

Kündigungsschutz – 100%ige Sicherheit?

Sobald der Arbeitgeber über die Schwangerschaft informiert ist, darf er Sie während Ihrer gesamten Schwangerschaft und auch noch vier Monate nach der Entbindung nicht kündigen. In dieser Zeit dürfen Sie auch nicht zu einem danach liegenden Zeitpunkt gekündigt werden! Wird der Betrieb spätestens zwei Wochen nach Zugang der Kündigung über die Schwangerschaft informiert, muss er eine etwaige Kündigung zurücknehmen; entscheidend ist, dass Sie zum Zeitpunkt der Kündigung bereits schwanger waren. Sogar wenn ein Betrieb insolvent oder teilweise stillgelegt wird, prüft zuerst das Gewerbeaufsichtsamt, ob eine schwangere Mitarbeiterin gekündigt werden darf. Auch kleine Betriebe mit weniger als sechs Mitarbeitern und Arbeitsverhältnisse in der Probezeit bilden hier keine Ausnahme.Die Kündigungsfrist verlängert sich entsprechend, wenn Sie nach der Geburt Ihres Kindes Elternzeit beantragen.

Anders ist es mit befristeten Arbeitsverträgen: Diese enden wie vertraglich vorgesehen, auch wenn Sie während der Vertragslaufzeit schwanger werden. Und auch der traurige Fall einer Fehlgeburt beendet den besonderen Kündigungsschutz durch das Mutterschutzgesetz sofort. 

Die Mutterschutzfrist 

Sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin beginnt die Mutterschutzfrist, in der Sie von jeder Arbeit freigestellt sind. Sie endet acht Wochen nach der Entbindung (bei Früh- und Mehrlingsgeburten erst nach zwölf Wochen). Keine Angst: Die Mutterschutztage, die Ihnen bei einer vorzeitigen Entbindung „verloren gehen“, werden an die Schutzfrist nach der Geburt angehängt, so dass sich immer mindestens 14 Wochen ergeben. In den sechs Wochen vor der Entbindung können Sie weiterhin arbeiten, wenn Sie das wünschen, in den Monaten nach der Entbindung nicht: Hier besteht ein absolutes Beschäftigungsverbot.

Informationen

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bietet auf seiner Homepage (www.bmfsfj.de) alle wichtigen Informationen rund um den Mutterschutz.Hier können Sie das Mutterschutzgesetz und einen erläuternden Leitfaden downloaden. (http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/gesetze,did=3264.html)

Die kostenfreie Onlinedatenbank www.komnet.nrw.de des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen bietet eine Fülle von Informationen zum Thema Mutterschutz; hier kann man seine Fragen auch direkt von Experten beantworten lassen.

Als gesetzlich Versicherte erhalten Sie Auskünfte zum Mutterschutz und zum Mutterschaftsgeld bei Ihrer Krankenkasse, als privat Versicherte und Familienversicherte ist das Bundesversicherungsamt in Bonn für Sie zuständig. Hier können Sie auch die Unterlagen für den Antrag auf Mutterschaftsgeld herunterladen (www.mutterschaftsgeld.de).

 

 

Bild: (c) Yuri Arcurs - fotolia.com


Erscheinungsdatum: 23.05.2011