Neue Regelungen: Mehr Flexibilität und mehr Geld für pflegende Angehörige

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Es ist anstrengend, Angehörige zu pflegen. Manchmal ist es so kräfteraubend, dass man dringend eine Auszeit braucht oder unmöglich alles alleine schultern kann. Oder aber derjenige, der pflegt wird selbst krank, muss ins Krankenhaus und kann sich nicht mehr kümmern – wie soll dann der Angehörige, der Pflege benötigt, versorgt werden? Und gar nicht selten scheint es schwierig bis unmöglich, die Pflege mit der eigenen Berufstätigkeit zu vereinbaren.

Wussten Sie schon, dass Sie als pflegender Angehöriger durch die Neuerungen im Pflegestärkungsgesetz seit 2015 verbesserte Möglichkeiten haben, sich über die Krankenkassen Hilfe zu holen? Unsere Spezialisten im Bereich Eldercare/Pflege beraten Sie dazu gerne, ausführlich und individuell!

Hier die wichtigsten Eckpunkte im Überblick:

Tages- und Nachtpflege via Pflegekasse beantragen, um eigene Berufstätigkeit zu ermöglichen

Dabei werden die pflegebedingten Aufwendungen sowie die Kosten für die soziale Betreuung und die notwendige Behandlungspflege übernommen. Die Leistungen der teilstationären Pflege (Tages- und Nachtpflege) stehen zusätzlich zu den Leistungen der ambulanten Pflege zur Verfügung.

Verhinderungspflege organisieren

Anspruch haben Pflegende, die seit mindestens 6 Monaten einen Angehörigen oder einen Freund zu Hause pflegen (kann auch ehrenamtlich sein). Die Verhinderungspflege dient dazu, selbst mal einen wichtigen Termin wahrnehmen zu können, einem Hobby nachzugehen oder sich ein paar Tage Urlaub gönnen zu können. Es wird ein Beitrag von bis zu 1612,- € pro Jahr gewährt.

Unser Tipp: Wer eine tägliche Pflegedauer von 8 Stunden in der Verhinderungspflege nicht überschreitet, erhält weiterhin das volle Pflegegeld. Der Gesamtanspruch für Ersatzpflege liegt bei maximal 42 Tagen pro Kalenderjahr.

Falls die pflegende Person länger ausfällt, gibt es auch die Möglichkeit, eine Nachbarin oder Pflegepersonen aus der entfernteren Verwandtschaft über die Kasse abzurechnen. Das hat den Vorteil, dass die betreute Person in ihrer vertrauten Umgebung bleiben kann.

Wenn es nicht möglich ist, die zu pflegende Person zu Hause zu versorgen, bleibt immer noch die Alternative über die Verhinderungspflege, einen stationären Platz in einer Einrichtung zu organisieren für die Zeit, die überbrückt werden muss. In diesem Fall übernimmt die Pflegekasse nur die reinen Pflegeaufwendungen. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung werden separat abgerechnet und nicht erstattet. Pro Kalenderjahr werden bis zu 1.612,– Euro für längstens sechs Wochen bereitgestellt, und das Pflegegeld wird bis zu vier Wochen pro Jahr zu 50 % weitergezahlt.

Kurzzeitpflege als „kleine Lösung“

Hat sich der Gesundheitszustand der zu pflegenden Person kurzfristig verschlimmert, braucht sie tageweise Überbrückung z.B. nach einem Krankenhausaufenthalt oder besteht eine aktuelle Krisensituation, dann ist die Kurzzeitpflege die richtige Lösung.

Auch hier stehen bis zu 1612,- € pro Kalenderjahr zur Verfügung, die auf bis zu 4 Wochen verteilt werden können. Abgerechnet werden können pflegebedingte Aufwendungen, soziale Betreuung und Behandlungspflege, nicht aber Unterkunft, Verpflegung und Zusatzleistungen. Ebenso wie bei der Verhinderungspflege wird das Pflegegeld bis zu vier Wochen pro Jahr zu 50 % weiter ausbezahlt.

Gut zu wissen:

Ist die Höchstdauer von vier Wochen für die Kurzzeitpflege noch nicht ausgeschöpft, kann der Anspruch auf Geld aus der Kurzzeitpflege auf die Verhinderungspflege übertragen werden. Sollte dennoch ein weiterer Aufenthalt in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung nötig sein, kann die Leistung für Kurzzeitpflege auf bis zu 56 Tage und 3.224,– Euro (je 1.612,– Euro für Kurzzeit- und Verhinderungspflege) erhöht werden.

Außerdem ist es möglich, zusätzlich bis zu 806,- € pro Kalenderjahr als häusliche Verhinderungspflege zu nutzen. Dies geht ergänzend zu der Leistung, die über die Verhinderungspflege bezogen wird. Insgesamt stehen nun bis zu 2.418,- Euro im Kalenderjahr für die Verhinderungspflege zur Verfügung.

Noch Fragen? In allen Bereichen rund um Eldercare / Pflege hilft Ihnen famPLUS rasch, kompetent und genau Ihren Bedürfnissen entsprechend – kontaktieren Sie uns gerne!


Erscheinungsdatum: 24.11.2015