Make it happen – Gender Diversity im Topmanagement

Bild zu famPLUS Magazin Beitrag

Vielen Unternehmen ist der positive Zusammenhang zwischen Unternehmenserfolg und dem Anteil weiblicher Führungskräfte mittlerweile bewusst. Dennoch hat sich an der Zusammensetzung der Führungsspitze wenig geändert in den letzten Jahren.

In deutschen Unternehmen sind lediglich 2 Prozent der Vorstände und 13 Prozent der Aufsichtsräte weiblich. In den USA sind 14 Prozent der Vorstände und 15 Prozent der Aufsichtsräte Frauen, in Großbritannien noch 14 Prozent bzw. 12 Prozent, in Spanien immerhin noch 6 Prozent bzw. 10 Prozent.

Zwar wurden vereinzelt gesetzliche Quoten für Frauen in Führungspositionen eingeführt, wie z.B. in Norwegen, oder freiwillige Vereinbarungen getroffen, wie bei der Deutschen Telekom. Und manch ein Unternehmen ist so sehr überzeugt von den weiblichen Managerqualitäten, dass die ganze Belegschaft nur noch aus Frauen besteht, wie dies bei MSC Basel der Fall ist, der weltweit zweitgrößten Container Reederei. Doch in der Regel zeigt sich überall dasselbe Bild: Die Beschäftigungsquote der Frauen in den Unternehmen steigt, es gibt immer mehr Frauen in den unteren Führungsetagen. Dennoch: Die Top Positionen im Management werden nach wie vor mit Männern besetzt.

Warum tut sich im Topmanagement in dieser Hinsicht nichts? Wieso haben die meisten Unternehmensverantwortlichen die positiven Auswirkungen von Gender Diversity zwar  erkannt, setzen sie aber nicht im eigenen Unternehmen um?

Um dies herauszufinden, befragte die Unternehmensberatung McKinsey im Jahre 2010 weltweit über 300 Unternehmen und rund 1.500 Führungskräfte. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie lassen sich in zwei Sätzen zusammenfassen. Erstens: Gender Diversity muss fest in der Unternehmenskultur verankert sein und kann nur greifen, wenn die Unternehmensspitze zu dem Wandel steht, ihn aktiv fördert und konsequent nachhält. Zweitens: Die individuelle Förderung weiblicher Nachwuchsführungskräfte ist der zweite wichtige Schlüssel zum Erfolg.
 
Insgesamt wurden dreizehn Maßnahmen zur Umsetzung von Diversity Strategien in den Interviews aufgenommen. Rund die Hälfte davon kristallisierte sich als besonders effizient heraus. Unangefochten auf Platz eins stehen flexible Arbeitsbedingungen wie Teilzeitmodelle oder Telearbeit. Diese gehören bei 64 Prozent aller Unternehmen zur Tagesordnung, die Gender Diversity ganz oben auf ihrer Agenda der strategischen Ziele stehen haben und es bereits vollständig oder nahezu erreicht haben. Zweithäufigste Maßnahme ist die spürbare Kontrolle der Fortschritte des Gender Diversity Programms durch einen CEO bzw. durch die Geschäftsführung. 55 Prozent der Unternehmen bauen interne Netzwerke auf, die jungen Mitarbeiterinnen den Zugang zu Rollenmodellen ermöglichen. Jedes zweite Unternehmen unterstützt seine Mitarbeiter durch Programme und Einrichtungen, die der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf dienen, wie z.B. betriebseigene Kindertagesstätten oder die Bereitstellung von Familienservices. Ein ganzes Bündel von Maßnahmen betrifft die individuelle Förderung von Frauen. Unternehmen, die beim Thema Gender Diversity führend sind, haben sehr effektive Trainings und Coaching-Programme implementiert. Sie ermuntern ihre Senior Manager dazu, junge Frauen als Mentor auf dem Karriereweg zu begleiten und zu fördern. Und sie nehmen die Einhaltung von Gender Diversity Zielen häufig in die Bewertung der Führungskräfte auf.

Nachdem sich die McKinsey Studie „Women Matter 1“ 2007 der Frage gewidmet hat, welchen Einfluss weibliche Spitzenkräfte auf den Unternehmenserfolg haben, „Women Matter 2“ 2008 die weiblichen Führungsstärken herausarbeitete und „Women Matter 3“ 2009 untersuchte, welche Fähigkeiten Unternehmen in und nach der Krise brauchen und warum Gender Diversity dabei eine tragende Rolle spielt, lieferte McKinsey nun mit „Women Matter 4“ die Grundlage dazu, wie Gender Diversity im Unternehmen erreicht werden kann. Aufbauend auf die Forschungsergebnisse skizzierte McKinsey in „Women Matter 4“ ein ideales „Gender Diversity Ecosystem“ als Best Practice für die Umsetzung von Gender Diversity.


Foto: endostock - fotolia.com
McKinsey & Company, Women at the top of corporations: Making it happen, Women Matter 2010


Erscheinungsdatum: 03.01.2011