Flexible Arbeitszeiten und Gender Equality: 30 EU-Länder im Vergleich

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Sind flexible Arbeitszeiten ein Garant für Gleichberechtigung am Arbeitsplatz und für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Wie verbreitet ist die Arbeitszeitflexibilität in Europa? Welche Arbeitszeitmodelle gibt es und wie wird Arbeit organisiert?

Diese Fragen stellte sich die Expertenkommission für Geschlechter und Arbeit der Europäischen Union. Sie verglich gesetzliche Rahmenbedingungen und tarifliche Bestimmungen, Arbeitsdauer, Methoden zur Arbeitszeitflexibilisierung sowie Wertschätzung und Realisierungsgrad der Gleichberechtigung in 30 EU-Ländern, z.B. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Griechenland, Schweden und Finnland.

Die Studie ergab, dass eine größere Flexibilität bei der Dauer der Arbeitszeit nicht automatisch zu einer umfassenden Gleichstellung der Geschlechter führt. Im Gegenteil: In der Mehrzahl der Länder konzentriert sich die Teilzeitarbeit nach wie vor auf schlechtbezahlte Berufe mit geringen Karriere- und Fortbildungsaussichten.

Die Autorinnen Janneke Plantenga und Chantal Remery  warnen davor, Flexibilität als typisch weibliche Art der Arbeitsorganisation einzuführen und zu kommunizieren. Denn damit steige die Wahrscheinlichkeit, dass entsprechende Arbeitszeitmodelle die unterschiedliche Position der Geschlechter verstärken, anstatt sie zu ändern. Auch die Entgrenzung von Arbeit und Privatleben, die häufig mit der Flexibilisierung der Arbeitszeit einhergehe, sei wenig familienfreundlich. Es müssten daher klare Grenzen zwischen bezahlter Arbeit und Freizeit gezogen werden.

Die Studie zeigte zudem, dass es in der Praxis große Unterschiede bezüglich Arbeitszeitflexibilisierung und Gleichberechtigung innerhalb der EU gibt. So schnitten Dänemark, Frankreich, Slowenien, Finnland und Schweden sowohl hinsichtlich der Gleichstellungsfrage als auch hinsichtlich der Flexibilisierung sehr gut ab. Eine Reihe von Ländern, wie zum Beispiel Spanien und Griechenland, erzielten in beiden Bereichen nur schwache Ergebnisse. In den Niederlanden, Österreich, Großbritannien, Deutschland und Luxemburg tritt ein vergleichsweise hoher Grad an Flexibilität gemeinsam mit einer relativ geringen Gleichstellung der Geschlechter auf.

Zwar steht die Flexibilisierung der Arbeitszeit in vielen Ländern auf der politischen Agenda, jedoch wird sie unter ganz verschiedenen Vorzeichen und Zielsetzungen behandelt. Die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Gleichberechtigung der Geschlechter sind dabei nur zwei Aspekte, die national unterschiedlich gewichtet werden.

Da die wachsende Flexibilität der Arbeitszeit und die Gleichberechtigung wichtige Elemente der Europäischen Beschäftigungspolitik sind, sehen die Autorinnen der Studie Anlass, die Aufrechterhaltung und Weiterführung der Fortschritte in der Gestaltung familienfreundlicher Arbeitsmarktstrukturen, anzumahnen, ohne dabei die Geschlechterfrage zu vernachlässigen.

Die Studie kann kostenlos als PDF im Internet herunter geladen werden.


Janneke Plantenga und Chantal Remery, Flexible working time arrangements and gender equality. Luxemburg: Publications Office of the European Union, 2010

Bild: Bernd Leitner - Fotolia.com


Erscheinungsdatum: 24.01.2011