Expertentipp: Fahrtkosten bei Kinderbetreuung steuerlich absetzbar

Bild zu famPLUS Magazin Beitrag

Fahrtkosten, die im Zusammenhang mit unentgeltlicher Kinderbetreuung stehen, können ab 2012 zu zwei Dritteln  als erwerbsbedingte Kinderbetreuungskosten steuerlich abzugsfähig sein. Was hier zu beachten ist, erläutert der Heidelberger Steuerberater Henric Östringer im Gespräch mit famPlus. 

famPlus: Herr Östringer, in welchem Fall sind Fahrtkosten rund um die Kinderbetreuung steuerlich abzugsfähig?

Henric Oestringer: Die Fahrtkosten, die zum Beispiel einer Großmutter in Zusammenhang mit der unentgeltlichen Betreuung ihres Enkelkindes entstanden sind, und ihr von den Eltern des Kindes erstattet werden, sind bei entsprechender Vertragsgestaltung bei den Eltern als erwerbsbedingte Kinderbetreuungskosten steuerlich abziehbar.

famPlus: Das war aber nicht immer so. Was hat sich geändert?

Henric Oestringer: In einem vom Finanzgericht Baden-Württemberg (FG) am 9.5.2012 rechtskräftig entschiedenen Fall haben die beiden Großmütter ihr Enkelkind an einzelnen Tagen in der Woche unentgeltlich im Haushalt der Eltern des Kindes betreut, damit diese arbeiten konnten. Nur die Fahrtkosten erhielten sie von den Eltern des Kindes aufgrund schriftlicher Verträge erstattet. Das Finanzamt erkannte die Fahrtkosten nicht an, weil es der Meinung war, es handele sich um familieninterne und damit außerhalb der Rechtssphäre liegende Gefälligkeiten.

Das FG ließ jedoch die Aufwendungen zu 2/3 zum steuerlichen Abzug zu. Die Betreuungsleistungen der Großmütter seien Dienstleistungen im Sinne der einkommensteuerlichen Regelungen für die Kinderbetreuung, auch wenn sie unentgeltlich erbracht wurden. Es komme nur darauf an, ob die getroffene Vereinbarung zwischen den Eltern des Kindes und deren Müttern (= Großmütter des Kindes) über den Fahrtkostenersatz auch zwischen fremden Dritten so üblich wäre. Diese Frage hat das FG bejaht. Nach Auffassung der Richter ist es unerheblich, ob eine fremde Betreuungsperson für die Betreuungsleistung selbst ein Honorar gefordert hätte.

famPlus: Könnten SIe kurz nochmals die alte und die neue Regelung zusammenfassen? 

Henric Oestringer: 

Folgende Reglung galt bis 2011:

  • Förderung, wenn die Kinder zwischen 0 – 14 Jahre alt sind und beide Elternteile einer Erwerbstätigkeit nachgehen
  • Förderung, wenn die Kinder zwischen 3 – 6 Jahre alt sind und die Eltern nicht beide erwerbstätig sind
  • Ohne Altersgrenze bei behinderten Kindern

Ab 2012 gilt

  • Eine Förderung findet immer statt. Einzige Voraussetzung - die Kinder sind zwischen 0 – 14 Jahre alt. Ist das zu betreuende Kind behindert, wird unbegrenzt gefördert.
  • Eine Erwerbstätigkeit ist nicht mehr Voraussetzung.
  • Die Förderung gilt nur noch als Sonderausgaben, nicht mehr als Werbungskosten oder Betriebsausgaben

famPlus: Was müssen Eltern aus Ihrer Sicht beachten?

Henric Oestringer: WICHTIG: Es können Fahrtkosten zu den betreuenden Großeltern geltend gemacht werden! Außerdem können Angehörige als Betreuungspersonen angemessen honoriert werden! Die Betreuung sollte einem Fremdvergleich standhalten, d.h. es sollte ein formaler Vertrag abgeschlossen werden und auch ein Geldfluß über die Konten nachweisbar sein. Also Belege sammeln

Für detaillierte Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren persönlichen Steuerberater. Sollten Sie sich direkt an Herrn Östringer wenden möchten, hier die Kontaktdaten: 

BOT GmbH
Im Breitenspiel 11 c 
69126 Heidelberg

Telefon: +49 [0] 62 21 / 36 30 20 
Telefax: +49 [0] 62 21 / 3 63 02 20 

E-Mail: info@botgmbh.de 
Internet: www.botgmbh.com

HINWEIS: Für hier gemachte Informationen kann keine Haftung übernommen werden. 

 

 


Erscheinungsdatum: 30.10.2012