Elterngeld und Elternzeit – was Sie beachten müssen (II)

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Finanzielle Unterstützung in der Elternzeit: das Elterngeld

(jg) Seit 2007 haben Eltern, die ihr Kind selbst betreuen, in seinem ersten Lebensjahr Anspruch auf eine Lohnersatzleistung – der Staat zahlt ihnen 67 % ihres bisherigen Nettogehalts, bis zu einer Deckelhöhe von 1.800 Euro. Berechnungsgrundlage sind in der Regel die zwölf Monate vor der Entbindung. Geringverdiener erhalten sogar gestaffelt bis zu 100 % ihres alten Gehalts, mindestens aber 300 Euro im Monat. Die genaue Berechnung kann recht kompliziert werden – einen ersten Eindruck von der Höhe des zustehenden Elterngelds gibt der Online-Elterngeldrechner (unter http://www.familien-wegweiser.de/Elterngeldrechner).

Zu den zwölf Monaten Elterngeld kommen noch zwei „Partnermonate“ hinzu, wenn der Partner (das ist meist der Vater) ebenfalls Elterngeld (und damit Elternzeit) beantragt; Alleinerziehende mit alleinigem Sorgerecht oder Elternteile mit schwer krankem oder behindertem Partner, der sich nicht um die Erziehung des gemeinsamen Kindes kümmern kann, erhalten diese zusätzlichen Monate fairerweise ebenfalls.

Achtung: Das Mutterschaftsgeld wird mit dem Elterngeld verrechnet – statt zwölf Monate bekommt man daher „eigentlich“ nur zehn Monate lang Elterngeld. In Paragraf 1 des Bundeselterngeldgesetzes steht, warum: Mutterschaftsleistungen in der Zeit nach der Geburt dienen dem gleichen Zweck wie das Elterngeld und können deshalb nicht zusätzlich gezahlt werden. 

Ist man während des Bezugs von Elterngeld in Teilzeit erwerbstätig, wird das in dieser Zeit verdiente Geld auf das Elterngeld angerechnet. Und: Obwohl das Elterngeld steuer- und sozialabgabenfrei ist, unterliegt es dem sogenannten Progressionsvorbehalt bei der Berechnung der Einkommenssteuer. Das heißt: Der Steuersatz für die Einkommensteuer wird aus der Summe von Elterngeld und dem zu versteuernden Einkommen (etwa aus Teilzeiterwerbstätigkeit) ermittelt und dann auf das zu versteuernde Einkommen (ohne Elterngeld) angewendet. 

Der Antrag auf Elterngeld kann bis zu drei Monate nach der Geburt rückwirkend gestellt werden. Zuständig ist die Elterngeldstelle des Bundeslandes, in dem Sie wohnen. Unter http://www.elterngeld.net/elterngeldstellen.html sind die zuständigen Elterngeldstellen zu finden.

Tipp: Die Anträge für Elterngeld und Elternzeit können zwar erst nach der Geburt des Kindes gestellt werden – die Mutterschutzfrist vor der Entbindung kann man aber dazu nutzen, die Dokumente aus dem Internet herunterzuladen, sie soweit wie möglich auszufüllen und notwendige Unterlagen (Gehaltsbescheinigungen etc.) bereitzulegen. Nach der Geburt ist der nervige Papierkram dann schnell erledigt. 

Elternzeit und -geld für Papa

Männer und Frauen sind gleichberechtigt – natürlich auch als Eltern. Väter dürfen also genau wie Mütter ab dem Tag der Geburt ihres Kindes Elternzeit nehmen, und natürlich auch zusammen mit ihr. Generell sind beide Eltern in ihrer Entscheidung unabhängig voneinander – sein Arbeitgeber darf ihm die Elternzeit also nicht verwehren, nur weil die Mutter ebenfalls zu Hause ist. Sie können auch abwechselnd oder gleichzeitig Elterngeld beziehen; gleichberechtigt aufgeteilt, stehen jedem Elternteil sieben Monate Elterngeld zu, da sie zusammen einen Anspruch auf 14 Monate haben (ein gleichzeitiger Bezug von Elterngeld endet natürlich entsprechend bereits nach sieben Monaten).

Tipp: Engagierte Väter gibt es immer mehr, das ist schön! Leider gibt es aber immer noch altmodische Chefs. Hat Ihr Mann so einen, dann nutzt er am besten die eine Woche zwischen der Beantragungsfrist (spätestens sieben Wochen vor Beginn der Elternzeit) und dem rückwirkend einsetzenden Kündigungsschutz (acht Wochen vorher), um sich vor einer überraschenden Kündigung zu schützen. 

… und wenn ein Geschwisterchen kommt?

Für jedes neue Kind haben die Eltern einen eigenen Anspruch auf Elternzeit und Elterngeld. Kommen die Geschwister im Abstand von drei Jahren zur Welt, stehen den Eltern jeweils drei Jahre Erziehungszeit zu. Wenn ein Geschwisterchen schon während der Elternzeit des Erstgeborenen dazukommt, überschneiden sich die beiden Elternzeiten. Dann kann man für das zweite Kind die neue Elternzeit beantragen und den Rest der Elternzeit des größeren Kindes für später „aufsparen“. Das mag kompliziert erscheinen, laut Urteil des Bundesarbeitsgerichts ist es jedenfalls möglich, falls dem keine wichtigen betrieblichen Gründe in der Firma entgegenstehen.

Tipp: Wer einen Nachfolger in nächster Zeit nicht grundsätzlich ausschließt, tut also gut daran, vorsorglich nur zwei Jahre Elternzeit zu beantragen.

 

Lesen Sie auch hier: 

Elterngeld und Elternzeit – was Sie beachten müssen (I)



famPLUS Elternratgeber

 

 


Erscheinungsdatum: 21.06.2011