Elterngeld und Elternzeit – was Sie beachten müssen (I)

Bild zu famPLUS Magazin Beitrag

Acht Wochen nach der Entbindung endet die gesetzliche Mutterschutzfrist. Nun haben Sie zwei Möglichkeiten: gleich wieder in den Beruf einsteigen oder für die Betreuung Ihres Kindes länger aussetzen und dafür Elternzeit nehmen. Die große Mehrheit der deutschen Mütter entscheidet sich heute für die zweite Option. Worauf Sie achten müssen, welche Rechte Sie haben und wie Sie den Grundstein für einen erfolgreichen beruflichen Wiedereinstieg legen, erfahren Sie hier.

Pause vom Beruf: die Elternzeit

Alle Eltern (unter bestimmten Umständen auch betreuende Großeltern, andere Verwandte und natürlich auch Adoptiveltern) haben einen rechtlichen Anspruch auf Elternzeit – die Zustimmung des Arbeitgebers ist dafür nicht erforderlich. Nach der Geburt eines Kindes können sie sich bis zu drei Jahre von der Arbeit freistellen lassen. Ihr Lohn wird ihnen zwar nicht weitergezahlt, sie sind aber beitragsfrei kranken- und sozialversichert. Der besondere Kündigungsschutz des Mutterschutzgesetzes erstreckt sich über die gesamte Elternzeit. 

Der Antrag auf Elternzeit muss schriftlich beim Arbeitgeber gestellt werden – und zwar spätestens sieben Wochen vor dem Beginn der Elternzeit bzw. vor dem Ablauf der Mutterschutzfrist. Dabei müssen Sie verbindlich festlegen, wie Sie die ersten beiden Jahre der Elternzeit gestalten wollen (die sogenannte zweijährige Bindungsfrist). Geregelt ist das alles im Gesetz zum Elterngeld und zur Elternzeit (BEEG), das zum 1. Januar 2007 in Kraft trat.

Kann ich in der Elternzeit arbeiten?

Viele Eltern entschließen sich, bereits während der Elternzeit wieder in den Beruf einzusteigen – die Vorteile haben wir in unserem Artikel „Weiterbildung in der Elternzeit“ beleuchtet. Ein Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit zwischen 15 und 30 Stunden während der Elternzeit besteht, wenn die Mutter für mehr als zwei Monate arbeiten will, in der Firma mehr als 15 Mitarbeiter sind, keine dringenden betrieblichen Gründe dagegen sprechen und sie selbst schon länger als ein halbes Jahr im Betrieb ist. Will sie während der Elternzeit mit reduzierten Stunden weiterarbeiten, muss die Mutter das bereits in ihrem Antrag auf Elternzeit festschreiben – zusammen mit dem Beginn der Teilzeittätigkeit, der gewünschten Stundenzahl und am besten auch den genauen Arbeitszeiten. Diese Vereinbarung sollte der Arbeitgeber schriftlich bestätigen.

Wer, wann und wie lange?

Grundsätzlich ist es jedem Paar überlassen, wie es die drei Jahre Elternzeit unter sich aufteilt. Theoretisch ist das sogar für einzelne Wochen oder Monate möglich − einer Einteilung in mehr als zwei Abschnitte muss allerdings der Arbeitgeber zustimmen. Natürlich kann die Mutter die Elternzeit (oder einzelne Zeiträume) auch gemeinsam mit ihrem Partner nehmen und das Kind dann zu zweit betreuen, prinzipiell auch volle drei Jahre lang. In der Praxis wird es kaum möglich sein, dass beide Elternteile so lange unbezahlten Urlaub nehmen – aber einer gleichzeitigen Reduzierung der Erwerbstätigkeit auf unter 30 Stunden steht arbeitsrechtlich nichts im Weg.

Achtung: Wer Elternzeit nur für das erste Jahr (in dem auch Elterngeld bezogen wird) beantragt, bedeutet dem Arbeitgeber damit automatisch, dass er im zweiten Lebensjahr seines Kindes wieder normal arbeiten will! Das dritte Jahr der Elternzeit ist wiederum ganz flexibel: Man kann es bis zum achten Lebensjahr des Kindes „verschieben“, sofern der Arbeitgeber damit einverstanden ist.

Ist die vereinbarte Elternzeit beendet, lebt das Arbeitsverhältnis automatisch wieder auf, ohne dass die Mutter oder der Arbeitgeber etwas tun oder unterschreiben müssen – und zwar genau zu den Bedingungen, die vor dem Beginn der Elternzeit galten. Das heißt aber nicht nur, dass Eltern ein Recht auf ihren alten Arbeitsplatz oder eine gleichwertige Beschäftigung haben: Auch, wenn sie in der Elternzeit in Teilzeit gearbeitet haben, gilt nun erst einmal wieder die 40-Stunden-Woche aus dem alten Arbeitsvertrag. 

Was der Arbeitgeber tun kann

Auch wenn sie am liebsten nur noch Augen für ihr Baby hätten: Für Mütter in Elternzeit ist es wichtig, während der Elternzeit die Kommunikation mit ihrem Vorgesetzten aufrechtzuerhalten. Auch wenn sie nicht am Arbeitsplatz sind, haben sie einen Anspruch darauf, über Fortbildungen und neue Tätigkeiten informiert zu werden. Kluge Chefs nutzen nicht nur das jährliche Mitarbeitergespräch, um die Gestaltung der Elternzeit und die Rückkehr in den Betrieb zu besprechen. Firmeninterne „Paten“ oder offizielle Tandems mit einzelnen Angestellten können Elternzeitler darüber hinaus über aktuelle Entwicklungen im Unternehmen up to date halten. 

Spätestens acht Wochen vor dem Ende des zweiten Jahres der Elternzeit (sofern zwei Jahre beantragt wurden) muss die Mutter sich mit ihrem Arbeitgeber verbindlich abstimmen, wie es weitergehen soll – wieder einsteigen oder noch ein Jahr pausieren? Stehen keine wichtigen betrieblichen Gründe entgegen, muss der Arbeitgeber einem Verlängerungswunsch stattgeben. Und auch wenn man fest vorhatte, wieder einzusteigen: Manchmal kommt es anders, als man denkt und die vereinbarte Kinderbetreuung fällt überraschend weg. Auch in solchen begründeten Fällen muss der Arbeitgeber einer Verlängerung der Elternzeit zustimmen.

Viele Mütter wollen nach der Elternzeit mit einer geringeren Stundenzahl wieder einsteigen; zum Beispiel weil sie ihrer Familie mehr Zeit widmen möchten. Ein gesetzlicher Anspruch auf eine Teilzeitstelle besteht nach Paragraf 8 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes nur dann, wenn die Mutter länger als sechs Monate in ihrer Firma beschäftigt war, diese mehr als 15 Mitarbeiter hat und keine betrieblichen Gründe gegen eine Teilzeitbeschäftigung sprechen. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte der Wunsch (und die Vorstellungen davon, wie die Arbeitszeit verteilt werden soll) schon im Antrag auf Elternzeit, spätestens aber drei Monate vor dem Ende der Elternzeit schriftlich angemeldet werden.

 

Lesen Sie hier weiter: 

Elterngeld und Elternzeit – was Sie beachten müssen (II)

famPLUS Elternratgeber

 


Erscheinungsdatum: 21.06.2011