Einsamkeit – Zusammen ist man weniger allein, aber auch weniger einsam?

Einsamkeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ganz er selbst sein darf jeder nur, solange er allein ist: wer also nicht die Einsamkeit liebt, der liebt auch nicht die Freiheit: denn nur wenn man allein ist, ist man frei.

Arthur Schopenhauer

 

Nach monatelangen Kontaktbeschränkungen und sozialer Isolation mag Ihnen dieses Zitat zynisch erscheinen. Die Freiheit, wie wir sie bis vor einem Jahr noch kannten und erlebten, wünscht sich wohl jeder wieder zurück - und selten haben zumindest die Ein-Personen-Haushalte zuvor so viel Zeit allein verbracht. Tageweise sich nur mit sich selbst beschäftigen, schön und gut  - aber über einen längeren Zeitraum erweist sich dieser Zustand als Belastungsprobe und fühlt sich wohl alles andere als „frei“ an.

Ob Risikofaktoren wie Armut oder gesundheitliche Probleme, Rentner, Verwitwete - die Einsamkeit ist nun keine Frage des hohen Alters oder sozialen Status mehr, sondern in der aktuellen Situation betrifft es gerade alle. Soziale Isolation wird durch das Wohnen allein oder Homeoffice gefördert und ist somit für viele Menschen Realität. Während Statistiken vor der Pandemie noch davon berichteten, dass jeder Zehnte in Deutschland einsam ist, kann heute von weitaus höheren Zahlen ausgegangen werden.

Allein sein oder einsam sein – wo liegt der Unterschied?

Diese Begriffe sind nicht zu verwechseln oder gleichzusetzen, denn jemand kann allein sein, sich jedoch nicht einsam fühlen und umgekehrt. Nicht jeder, der die Einsamkeit spürt, muss zwangläufig allein sein, sondern kann diese auch umgeben von Menschenmassen wahrnehmen. Während das „Alleinsein“ ein Zustand ist, welcher beschreibt, dass wir von keiner Person oder keinem anderen Lebewesen umgeben sind, ist Einsamkeit ein subjektiv wahrgenommenes Gefühl. Dementsprechend ist es schwer, dieses Empfinden zu definieren und Einsamkeit als solche zu identifizieren.

Wie fühlt sich Einsamkeit an?

Einsamkeitsgefühle sind ein Alarmsignal, dass sich in Ihrem Leben etwas geändert hat und/oder die Bedürfnisse in diesem Moment nicht erfüllt werden, also etwas fehlt. Ähnlich wie das Hungergefühl sollten wir diesem Bedürfnis schnellstmöglich nachkommen, denn sonst kann sich dieses Gefühl - wie Schmerz  - auf unseren Körper auswirken. Gerade in diesen Zeiten ist es gar nicht so leicht, eine Art Gemeinschaftsgefühl trotz räumlicher Trennung aufrecht zu erhalten und somit das Defizit zu kompensieren. Allerdings können wir versuchen, dieses Gefühl zum Anlass nehmen, um zu lernen, mit uns selbst allein zufrieden zu sein.

Der fehlende Austausch auf der Arbeit und ein unstrukturierter Alltag durch Homeoffice gibt Anlass, eine Angst davor zu entwickeln, besehende Kontakte nicht aufrecht erhalten zu können. Vor einiger Zeit hätten sich die meisten von uns nichts sehnlicher gewünscht als mal ein paar ruhige Tage für sich zu haben. Stattdessen fühlen wir uns durch die Einsamkeit bewegungslos, tendieren zu passivem Verhalten und sehen den Alltag, oder das was davon noch übrig ist, durch eine dunkle Brille. Auf Dauer kann uns die Stille - niemand der redet oder Geräusche macht - in den Wahnsinn treiben und das Gefühl von Einsamkeit verstärken.

Auch wenn Einsamkeit nicht als Krankheit diagnostiziert wird, sind die Folgen dieses Gefühls vielfältig. Einsame Menschen neigen stärker zu ungesunden Verhaltensweisen, welche oftmals weder die Betroffenen selbst noch die Gesellschaft im Zusammenhang mit Einsamkeit identifizieren, geschweige denn, ernst nehmen. Darunter fällt eine häufige Abhängigkeit von Suchtmitteln wie Alkohol und Nikotin. Einsamkeit fördert nicht nur eine Neigung zu Angststörungen, sondern kann sogar Depressionssymptome begünstigen. Eine negative Abwärtsspirale bei dauerhafter Einsamkeit ist also leider keine Seltenheit, weshalb wir rechtzeitig etwas für unser inneres Gleichgewicht tun und einen Weg finden sollten, mit diesem Gefühl umzugehen.

 

Wie oft empfinden Sie, dass Ihnen ein anderer Mensch fehlt oder Sie sich von anderen isoliert fühlen - Häufig? Bestimmt kennen Sie einige Tipps gegen Einsamkeit noch nicht:

Behandeln Sie sich liebevoll

Behandeln Sie sich selbst wie einen guten Freund und verabschieden Sie den Gedanken, dass Sie es sich nicht „wert“ sind. Tun sie sich selbst etwas Gutes: Es lohnt sich, auch für sich selbst etwas Schönes zu kochen und den Tisch zu decken. Und auch, wenn Sie der Spaziergang allein zunächst etwas Überwindung kostet, so schafft es in den meisten Fällen doch klarere Gedanken und gibt Ihnen Raum, um durchzuatmen. Es erfordert etwas Motivation, aber gerade mit den scheinbar kleinen Dingen können wir die Selbstliebe in uns fördern und so liebevoller mit uns selbst umgehen.

Durchbrechen Sie die Stille

Wie bereits erwähnt, kann uns absolute Stille dauerhaft mehr stressen als dass sie uns beruhigt. Sollte das auch bei Ihnen der Fall sein, dann kann ein Geräusch wie der Fernseher, Podcast oder Staubsauger im Hintergrund sehr entspannend wirken. Denn das lässt Sie in den eigenen vier Wänden weniger allein fühlen, und im Gegensatz zum normalen Alltag haben Sie die Möglichkeit, diese auch jederzeit wieder auszuschalten und doch etwas Stille für sich zu genießen.

Lernen Sie, sich selbst anzunehmen

In dem Maße, in dem Sie sich selbst mögen und akzeptieren, werden Ihre Einsamkeitsgefühle abnehmen. Das Gefühl zu sich selbst geht bei vielen Menschen verloren, da man versucht, es allen recht zu machen und sich dabei selbst aus den Augen verliert und gar nichts mit sich allein anzufangen weiß. Dieses Hilflosigkeitsgefühl verstärkt unsere Einsamkeit und gibt uns den Anschein, als sei dieses Gefühl stärker von anderen abhängig als es tatsächlich ist. Diesen Zugang zu sich selbst können Sie auf ganz unterschiedliche Weise wiederfinden und stärken. Zum Beispiel können Sie sich überlegen, welcher Tätigkeit Sie schon seit langer Zeit (mal wieder) nachkommen möchten. Welche Aktivität lässt sich zurzeit durchführen und bereitet Ihnen richtig Spaß? Haben Sie früher zum Beispiel gerne gezeichnet oder Musik gemacht? Lassen Sie vergessene Hobbies wieder zum Leben erwecken.

Schaffen Sie eine Routine

Auch wenn gewohnte Tätigkeit schon seit Monaten, können Sie dafür sorgen, dass Sie nicht nur so in den Tag hineinleben. Versuchen Sie, um die gleiche Tageszeit aufzustehen und sich vorzunehmen, was Sie erreichen möchten. Natürlich sollten die Pläne realistisch sein und nicht zu viele Dinge beinhalten. Zuviel Zeit jedoch verleitet uns dazu, sich in Gedanken zu verlieren und uns schlechtesten Falls im Selbstmitleid zu ertränken.

Nehmen Sie Kontakt zu anderen Menschen auf, wenn auch dies momentan nur beschränkt möglich ist

Verabreden Sie sich zum Spazieren gehen oder telefonieren Sie, während Sie Zeit draußen verbringen. Rufen Sie sich per Video Call an und treffen sich zum virtuellen Kochen. Erwarten Sie von sich dabei keine "hochgeistigen" Gespräche, denn sonst nehmen Sie erst gar keinen Kontakt zu anderen auf. Der tägliche Kaffeeklatsch im Büro oder unter Freunden fällt in diesen Zeiten weg. Sie müssen nicht warten, bis es Gesprächsstoff gibt, um ein einstündiges Telefonat zu führen. Spontanes Anrufen und Erkunden, wie es den Menschen um Sie herum geht, lässt es auch Ihnen selbst besser gehen.

Wellness für zuhause

Wenn Sie schon mal bei der Massage oder in der Sauna waren, wissen Sie sicher, dass man danach sehr entspannt ist. Dieses Gefühl können Sie sich nach Hause holen und es ist zudem auch ein super Tipp gegen Einsamkeit: Gönnen Sie sich eine kleine Wellness-Pause. Gehen Sie heiß duschen oder baden, tragen Sie eine Gesichtsmaske auf, und entspannen Sie einfach mal.

Lust auf etwas Neues?

Eine neue Sportart, wie z.B. Yoga? Einen Kochkurs für die asiatische Küche? Schreiben Sie auch hier alle Ideen auf, die Ihnen einfallen. Es wird viele online Angebote, mit welchen Sie Ihr neues Hobby herausfinden und ihm nachgehen können. Trauen Sie sich und nehmen Sie sich nicht zu ernst beim Experimentieren. Falls sich das neue Hobby doch als Flop entpuppt, können Sie es jederzeit wieder sein lassen.

Entspannungsübungen

Einsamkeit kann auch Stress und Angst in unserem Körper verursachen, vor allem, wenn wir nicht so recht wissen, wo dieses undefinierbare Gefühl herkommt. Um dieses zu besänftigen, können Ihnen Entspannungsübungen wie Atemübungen, Meditation oder Progressive Muskelentspannung helfen. Diese beruhigen den Körper und Geist und helfen Ihnen dabei, wieder ins innere Gleichgewicht zu finden.

 

Nicht nur bei uns selbst ist es wichtig, zu erkennen, ob wir unter dem Gefühl der Einsamkeit leiden, sondern auch bei unseren Liebsten. Menschen, die einsam sind, strahlen Gleichgültigkeit aus, sowohl im Erscheinungsbild aus auch in der Unternehmenslust. Falls sie diese Anzeichen bei Freunden oder Familienmitgliedern erkennen, scheuen Sie sich nicht, die Initiative zu ergreifen und auf die Person zuzugehen. Gemeinsam findet sich meist leichter ein Weg, um neue Lebensfreude zu tanken.

Wenn wir Einsamkeit spüren, ist die hilfreichste Methode, dieses Gefühl erst einmal anzunehmen, wirken zu lassen und dann loszulassen. Generell sollten wir niemals versuchen, Gefühle zu unterdrücken, weil sie dann meist stärker zurückkommen als uns lieb ist. Wie Arthur Schopenhauer sagte, müssen wir sie „lieben“ oder zumindest akzeptieren. Können wir allein, nur mit uns selbst die Zeit gut gestalten, so kann man wohl nicht nur die Freiheit von Einsamkeit, sondern auch die Freiheit unserer eingeschränkten Sichtweise, Selbstzweifeln und Hilflosigkeit erleben.

 

Gemeinsam für Ihr Wohlbefinden

Falls es Ihnen schwerfällt, aus eigener Kraft positive Perspektiven zu entwickeln, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren. Wir freuen uns über Ihre Nachricht an info@famplus.de - oder nutzen Sie die Möglichkeit, uns Ihr Anliegen über unser Portal www.famplus.de mitzuteilen.

Ihr famPLUS Team 


Erscheinungsdatum: 12.02.2021