24-Stunden-Pflege mit Unterstützung aus Osteuropa. Gute Idee oder illegal?

24-Stunden-Pflege
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Viele Pflegebedürftige wollen nicht in ein Pflegeheim. Aber auch viele Pflegende wünschen sich, den letzten Lebensabschnitt gemeinsam mit ihren Angehörigen in den eigenen vier Wänden zu erleben. Je nach Grad der Pflegebedürftigkeit, kein leichtes Unterfangen. Weder mental, noch körperlich, noch finanziell.

Eine Haushaltshilfe oder Betreuungskraft aus Osteuropa, die mit im Haus oder der Wohnung wohnt und hilft, ist eine denkbare und im Verhältnis zu in Deutschland etablierten Modellen preiswerte Lösung. Aber ist das legal? Was ist mit der Verständigung? Und was kostet das? Wir haben Lieselotte Mainz, Personalvermittlerin von Betreuungskräften und Haushaltshilfen aus Osteuropa und Kooperationspartnerin von famPLUS für den Raum Köln/Bonn befragt.

Frau Mainz, Osteuropäische Haushaltshilfen. Das hört sich so an, als könnte die Sprachbarriere die größte Herausforderung sein? Sprechen die Damen deutsch?

Teilweise kann das ein Problem sein. Einen Sprachtest, wie es den beispielsweise Au-pairs machen müssen, gibt es für Haushaltshilfen und Betreuungskräfte nicht. Allerdings Überprüft und bewertet meine Partneragentur in Polen die Deutschkenntnisse jeder Dame bei Einstellung. Sehr viele Frauen sind aber auch schon seit vielen Jahren in Deutschland tätig und sprechen recht gutes Deutsch.

Ist es legal, eine 24-Stunden-Kraft aus Osteuropa einzustellen? 24 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche das erlaubt das deutsche Arbeitszeitgesetz doch nicht?

Das stimmt. Aber de facto arbeiten die Damen nicht 24 Stunden –rund um die Uhr. Meistens sind es fünf bis sechs Stunden. Während der restlichen Zeit sind sie lediglich in Bereitschaft. Oftmals kommt noch ein ambulanter Pflegedienst ins Haus, so dass sie bei der Betreuung professionelle Unterstützung haben.

Allerdings ist das alles ein Graubereich. Schätzungsweise werden über 80 Prozent der Osteuropäerinnen illegal vermittelt. Diese Kräfte sind dann nicht versichert, werden schlecht bezahlt und die Rahmenbedingungen, unter denen sie arbeiten müssen, sind in aller Regel auch nicht die besten. Ich würde jedem raten, sich von diesen „schwarzen Schafen“fernzuhalten. Auf der Seite des BHSB (Bundesverband häusliche SeniorenBetreuung e.V.) (Link: http://www.bhsb.de) findet man eine Liste seriöser Vermittlungsagenturen. Sie alle haben eine Selbstverpflichtung unterschrieben. Diese beinhaltet unter anderem: vorbildliches Verhalten gegenüber Kunden, Betreuungskräften und Wettbewerbern sowie Fairness, Transparenz und Qualität.

Wie lange am Stück bleiben die Damen? Man hört immer wieder, dass Arbeitnehmerinnen aus Osteuropa nur drei Monate am Stück bleiben können und dann wieder nach Hause müssen.

Von „müssen“kann hier nicht die Rede sein. Sie müssen nicht zurück, aber in aller Regel haben die Frauen Familie in Polen und wollen nach spätestens drei Monaten wieder nach Hause. Viele schließen aus diesem Grund nur Verträge mit einer Laufzeit von maximal drei Monaten ab. Aber nach einer gewissen Zeit zuhause, kommen sie dann auch gerne wieder nach Deutschland. Man muss sich als Kunde also darauf einstellen, immer mal wieder eine andere Betreuungsperson zu haben. Für einige Kunden stellen aber wir auch „Pärchen“zusammen, die sich im sechs Wochen Rhythmus abwechseln.

Wie sieht es aus mit der Mobilität der Betreuerinnen. Verfügen sie über einen Führerschein, um beispielsweise die zu pflegende Person zum Arzt zu fahren oder Einkäufe zu erledigen?

Haushalts- und Betreuungshilfen aus Polen sind oftmals Frauen, die schon älter sind. Viele von Ihnen haben keinen Führerschein. Was aber nicht heißt, dass sie nicht mobil wären. Sie erledigen dann eben vieles zu Fußoder mit dem Fahrrad. Oder werden von den Familienangehörigen unserer Klienten gefahren.

Es gibt mittlerweile aber auch immer mehr Studentinnen, die während ihrer Semesterferien als Haushalts- und Betreuungshilfe aus Polen nach Deutschland kommen. Viele von ihnen haben einen Führerschein.

Welche Voraussetzungen müssen von Seiten der zu pflegenden Person erfüllt werden, um eine Haushalts- und Betreuungshilfe aus Osteuropa einstellen zu können?

Ganz wichtig ist es, dass ein Zimmer zur Verfügung steht, in dem man auch selbst gerne leben würde. Außerdem muss ein Bad oder zumindest eine Badnutzung gegeben sein und selbstverständlich Essen und Trinken im Rahmen des Normalen. Nicht zu unterschätzen: ein Ansprechpartner. Die Damen brauchen jemanden, an den sie sich wenden können, wenn es Schwierigkeiten gibt. Ich, als Vermittlerin, kann da nur unterstützend zur Seite stehen.

Was kostet es, eine Haushalts- und Betreuungshilfe aus Osteuropa einzustellen? Wie ist sie versichert und wer zahlt das?

Man kommt schnell auf 2.000 Euro pro Monat. Wie die Damen versichert sind, kann ich nur für meine Agentur sagen. Es gibt so viele Modelle. Die alle aufzuzählen, würde das Interview sprengen. Und auch hier gibt es wieder einen Graubereich.

Bei mir ist es so, dass meine Kunden einen Dienstleistungsvertrag mit meiner polnischen Partneragentur abschließen, die wiederum die Frauen bezahlt. Ich erhalte eine Vermittlungsgebühr und habe je nach Kunde und Umfang des Auftrags Pauschalen, die ich dann mit der Agentur in Polen abrechne. Ansprechpartnerin für die Klienten bin aber ich. 

Was übernimmt die Pflegeversicherung?

Leider nichts. Was ich persönlich sehr schade finde. Selbst wenn die zu betreuende Person eine Pflegestufe hat, bekommt sie zwar das Pflegegeld und kann dieses für die Bezahlung nehmen, aber Pflegesachleistungen können nur abgerechnet werden, wenn ein ambulanter Pflegedienst kommt. Die Bundesregierung weiß, dass wir mittlerweile ohne diese Damen aus Osteuropa die Pflege nicht mehr bewältigen könnten. Eine Bezuschussung gibt es aber immer noch nicht und ich habe auch noch nichts von einer Gesetzesänderung gehört.

Woher weißich, dass ich/ meine pflegebedürftige Angehörige mit der Pflegekraft auch persönlich zurecht kommt? Was ist wenn sich die beiden nicht sympathisch sind?

Das weißman vorher nie. Auch hier ist es wieder wichtig, sich an seriöse Anbieter zu wenden. Läuft alles via Internet, ist die Wahrscheinlichkeit eines Fehlgriffs groß. Ich besuche meine potentiellen Klienten immer erst und erstelle gemeinsam mit ihnen ein Anforderungsprofil. Dieses schicke ich an meine Partneragentur nach Polen und gemeinsam suchen wir dann eine passende Dame aus.

Ich bin schon seit 10 Jahren dabei. Habe selber viele Jahre in der Pflege gearbeitet. Kenne viele der Damen schon seit Jahren, wertschätze ihre Arbeit sehr und kann mich in aller Regel auf mein Bauchgefühl und meine Erfahrungswerte verlassen.

Wie kurzfristig können Sie eine Pflegekraft organisieren?

Meistens klappt es innerhalb von 14 Tagen. Das hört sich erst mal lange an –insbesondere dann, wenn man hört, dass andere Agenturen versprechen, innerhalb von drei Tagen zu vermitteln.

In den meisten Fällen ist es aber schon längerfristig absehbar, dass eine Unterstützung gebraucht werden wird. Wenn beispielsweise eine ältere Person sich etwas gebrochen hat. Vom eigentlichen Bruch, bis zu dem Zeitpunkt, dass er oder sie wieder nach Hause kommt, vergehen mehrere Wochen –Krankenhaus, Reha. Schnell gehen so vier bis sechs Wochen ins Land. Auch eine Demenzerkrankung kündigt sich nicht kurzfristig an. Zwei Wochen reichen da als Vorlauf für eine Betreuungsvermittlung.

Weitere Informationen zum Thema 24 Stunden Pflege duch osteuropäischen Haushaltshilfen erhalten sie bei ihrem famPLUS Fachberater unter 089 - 80 99 0 27 27 oder unter info@famplus.de


Erscheinungsdatum: 10.10.2016